Zuckersucht bei Kindern: Woher sie kommt und was helfen kann
Wer mit Kindern durch den Supermarkt geht, der weiß, dass sie nicht beim Obst- und Gemüseregal hängen bleiben, sondern bei den schönen bunten Verpackungen mit zuckerreichem Inhalt. Durch das große Angebot an stark verarbeiteten Lebensmitteln ist Zucker aus dem Familienalltag nicht mehr wegzudenken. Das zeigt auch die Statistik: Der Anteil an freien Zuckern in der Ernährung von Kindern und Jugendlichen liegt in Europa bei 12-25 %, weit über den von der WHO empfohlenen 10 %.
Wenn Zucker zu Fett wird
Diese Zahlen sind alarmierend, vor allem mit dem Wissen, dass der Anteil an übergewichtigen Kindern jedes Jahr ansteigt. Studien zeigen, dass Übergewicht in der Kindheit oft lebenslang ein Problem bleibt und die Betroffenen Schwierigkeiten haben, langfristig ein gesundes Gewicht zu halten. Was viele vergessen: Übergewicht ist nicht nur Fett, das sich unbemerkt ansammelt. Fettgewebe produziert aktiv entzündungsfördernde Stoffe wie Adipokine oder Zytokine und ist damit der Startpunkt von ernsthaften Krankheiten wie z. B. Diabetes Typ 2.
Süße Vorlieben: Was steckt dahinter?
Ganz überraschend ist die Bevorzugung von Schokolade gegenüber einer Zucchini aber nicht. Immerhin kommen schon Säuglinge mit einer Vorliebe für süße Geschmacksrichtungen auf die Welt. Diese Präferenz zieht sie zur Muttermilch und sichert so ihr Überleben. Aber auch nach der Stillzeit bleibt diese Vorliebe bei Kindern bestehen. Woran liegt das?
Eine mögliche Erklärung für das "suchtähnliche" Verhalten bei Kindern: Zucker führt zur Dopaminausschüttung in Belohnungszentren des Gehirns. Da sich das Gehirn von Kindern in der Entwicklung befindet und ihnen die volle Impulskontrolle noch fehlt, reagieren sie besonders stark auf diese Dopaminschübe und können damit ihr Verlangen nach Eiscreme, Schokolade und Fruchtsäften nur schlecht regulieren (Q).
Warum bitter erlernt werden muss
Der bittere Geschmack wird von allen Kindern zunächst abgelehnt. Das macht aus evolutionärer Sicht Sinn, denn so schützen sie sich vor der Aufnahme von Giften. Haben Eltern also überhaupt keinen Einfluss darauf, ob Kinder Pasta oder Grünkohl wählen, weil alles biologisch vorbestimmt ist? Nicht ganz.
Bereits im Bauch der Mutter lernt das Baby über das Fruchtwasser und nach der Geburt über die Muttermilch verschiedene Geschmacksrichtungen und Aromen von Lebensmitteln kennen. Studien zeigen, dass die Babys solche Aromen schon ungefähr ab der 8. SSW aufnehmen können. Wenn Frauen in der Schwangerschaft viel grünes Gemüse essen, steigt die Chance, dass auch ihre Kinder später empfänglicher dafür sind (Q).
Strenge Verbote gehen nach hinten los
Die ausgeprägte Vorliebe von Kindern für Süßes und ihre Abneigung gegen Bitteres spiegeln – auch wenn sie in der modernen Ernährung oft nachteilig ist – ihre grundlegende Biologie wider. Was Eltern nicht vergessen sollten: Das harte Durchsetzen eines Zuckerverbots ist nicht die Lösung, das wissen wir aus der Forschung. Stattdessen bietet das sanfte Lenken von ausgewogenen Ernährungsgewohnheiten das größte Potenzial, um in Kindern eine gesunde Beziehung zu Lebensmitteln zu wecken, die sie ihr ganzes Leben begleitet.
Autorenprofil:
Franziska Hauer
MSc Ernährungswissenschaftlerin, die sich bei Vitasauri fachlich um alle Themen rund um Kinderernährung und -gesundheit kümmert. Seit 10 Jahren im Bereich Kinderlebensmittel und -nahrungsergänzungsmittel.


